Zentrum für Neuro- und Soziophysiologie (ZNS)

Das Zentrum für Neuro- und Soziophysiologie (ZNS) übernimmt übergeordnete diagnostische Funktionen und zielt in Verbindung mit den in den ausgewählten Teilprojekten (Epidemiologie, Früherkennung, Supported Employment) erhobenen Daten auf die Bestimmung von Markern bzw. Endophänotypen.

 

Endophänotypen sind Krankheitsmerkmale, die auf dem Weg vom Genotyp (Gen) zum Phänotyp (Erkrankung) eine intermediäre Stellung einnehmen. Anders als die klinische Diagnose, die auf Phänotypebene angesiedelt ist, repräsentieren Endophänotypen der eigentlichen Krankheit zugrunde liegende bzw. vorausgehende Auffälligkeiten, z.B. messbare Hirnfunktionsstörungen. Endophänotypen sind für den klinisch-psychiatrischen Untersucher nicht ohne weiteres sichtbar, und es bedarf technischer oder psychologischer Methoden, um sie zu bestimmen, wie Bildgebungsverfahren, neuropsychologische oder soziophysiologische Tests.

 

Neben der Feststellung krankheitsspezifischer Symptome zielen die Untersuchungen des ZNS auch auf die Bestimmung sozialer Behinderungen, die z.B. der erfolgreichen Reintegration chronisch psychisch kranker Menschen im Wege stehen. Bewusste sozial-kognitive Fähigkeiten und unbewusste sozio-physiologische Funktionen ergänzen sich und stellen die physiologische Basis sozialen Funktionierens dar. Ihre Störung verhindert komplexe zwischenmenschliche Phänomene, wie z.B. Empathie. Diese neuro- und soziophysiologischen Parameter sollen prädiktive Aufschlüsse über Ursachen und Merkmale psychischer Störungen geben können, um letzten Endes differenzierende Diagnostik, individualisierte Therapie und gezieltes Einsetzen bestehender Ressourcen zu erlauben.

 

Für das Teilprojekt Epidemiologie sind im subklinischen Bereich neuro- bzw. soziophysiologische Parameter mit der psychopathologischen Symptombelastung in Verbindung zu setzen und auf ihre Eigenschaft als Prädiktoren für eine besondere Empfindlichkeit zur Ausbildung einer psychischen Störung unter Belastung zu prüfen. Für das Teilprojekt Früherkennung ist der Frage nachzugehen, ob und welche neuro- und soziophysiologischer Masse als prädiktive Marker zum frühzeitigen Erkennen psychotischer Erkrankungen im klinischen Alltag eingesetzt werden können.

 

Für das Teilprojekt Supported Employment dienen die Untersuchungen des ZNS der Feststellung prädiktiver Faktoren mit dem Ziel, in Zukunft Patienten auswählen zu können, die von Supported Employment besonders profitieren bzw. umgekehrt einer ggf. noch intensiveren Förderung bedürfen.

 

Im Labor des ZNS sind 800 Untersuchungen vorgesehen mit der Anwendung einer multimodalen neurophysiologischen (Elektroenzephalographie, Nahinfrarotspektroskopie) und soziophysiologischen (Resonanzfähigkeit, soziale Kognition, Selbst-Fremd-Unterscheidung) Testbatterie.