"Placement-Budgets" für Supported Employment zur Förderung der Integration von Menschen mit psychischen Erkrankungen in den freien Arbeitsmarkt

Die Studie basiert auf der Annahme, dass die soziale Ausgrenzung von Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen verstärkt wird durch ihre Ausschliessung vom ersten Arbeitsmarkt. Die Fragestellung der Studie ist geleitet durch das ethische Prinzip der Gleichstellung. Danach soll auch Menschen mit schweren psychischen Erkrankungen der Zugang zum freien Arbeitsmarkt ermöglicht werden, um ihre soziale und berufliche Integration zu verbessern. Der gegenwärtig erfolgreichste Ansatz der beruflichen Integration ist “Supported Employment”. Im so genannten “Individual Placement and Support“-Modell vermittelt ein Job Coach den Betroffenen möglichst schnell einen Arbeitsplatz auf dem freien Arbeitsmarkt, der dem Wunsch der Betroffenen entspricht, und betreut diese weiter, so dass der Arbeitsplatz möglichst lange gehalten werden kann. Verschiedene Studien zeigten, dass innerhalb von 1 1/2 Jahren für jede zweite Person mit schweren psychischen Erkrankungen eine Stelle auf dem freien Arbeitsmarkt gefunden werden konnte. Jedoch konnte das Ziel eines ersten Stellenantritts innerhalb von 2 Monaten nur selten erreicht werden.

 

Die primäre Fragestellung dieser Studie ist deshalb, ob eine Begrenzung des „Placement-Budgets“ zu einem schnelleren Antritt einer Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt führt, und somit die Gesamtressourcen eines Job Coachs optimal eingesetzt werden können. Zudem wird nach Faktoren gesucht, welche mit einem schnellen Finden und dem langfristigen Erhalt einer Arbeitsstelle auf dem freien Arbeitsmarkt verbunden sind (Motivation, Stigmatisierungserwartungen, Einfluss des sozialen Umfelds, finanzielle Anreize). Über den Zeitraum von 3 Jahren wird untersucht, ob die Arbeitstätigkeit in der freien Wirtschaft langfristig zu einer Reduktion der psychischen Erkrankung, zu einer Verlagerung vom psychiatrischen Hilfesystem zu privatem und beruflichem Netzwerk, zur Erhöhung der finanziellen Unabhängigkeit, zur Reduktion von Stigmatisierung durch die Umwelt, zur höheren Lebenszufriedenheit, und zu einer hohen Arbeitszufriedenheit führt.

 

In gesamthaft 6 Ambulatorien der psychiatrischen Kliniken des Kantons Zürich werden Job Coachs trainiert, damit Supported Employment strikt nach dem „Individual Placement and Support“-Modell durchgeführt werden kann. Interessierte Patientinnen und Patienten werden schriftlich und mündlich über das Thema der Studie und die Teilnahmekriterien informiert. Nachdem sie die Einwilligungserklärung unterschrieben haben, wird ihnen eines von drei festgelegten „Placement-Budgets“ zugelost (25, 40 oder 55 Stunden des Job Coachs). Im April 2010 beginnt die Rekrutierung von 100 Patienten, welche maximal zwei Jahre von einem Job Coach betreut werden. Dabei wird bei Einschluss in die Studie (Baseline, t0) und je sechs Monate später (t1-t6) ein rund einstündiges Interview durchgeführt, und zwar unabhängig davon, ob der Klient vom Job Coach noch betreut wird oder nicht. Für jedes Interview erhält der Proband eine Entschädigung von 45 Franken. Die Befragung der Probanden erstreckt sich somit über drei Jahre. Die letzten Interviews werden bis zum 31. Mai 2014 erfolgen. Das anschliessende Jahr wird der Analyse, Publikation und Verbreitung der Studienergebnisse gewidmet sein.