Früherkennung und Frühbehandlung psychotischer und bipolarer Störungen

Das Zürcher Impulsprogramm zur nachhaltigen Entwicklung der Psychiatrie (ZInEP) hat zum Ziel die psychiatrische Versorgung im Kanton Zürich optimaler an die Bedürfnisse psychisch kranker Menschen anzupassen. Das Teilprojekt „Früherkennung“ ist eines von mehreren ZInEP-Projekten.

 

In den letzten Jahren hat sich der Verlauf schizophrener Psychosen und bipolarer Störungen erheblich verbessert. Dank neuer Behandlungsmöglichkeiten können viele Betroffene ein weitgehend normales Leben führen. Dennoch gibt es Menschen, bei denen die ersten Symptome nicht richtig erkannt werden. Die fehlende oder verzögert einsetzende Behandlung kann dann zu einem ungünstigeren Verlauf und sogar zu einer Chronifizierung der Erkrankung führen.

 

Eine gezielte Prävention setzt voraus, dass Personen, die tatsächlich ein erhöhtes Psychoserisiko aufweisen, richtig identifiziert werden. Im Rahmen des ZInEP Früherkennungsprojektes ist der Aufbau mehrerer Früherkennungszentren im Kanton Zürich geplant. Dort können sich junge Menschen zwischen 13 und 35 Jahren mit ersten Anzeichen einer psychischen Dekompensation vorstellen um abzuklären, ob bei ihnen ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung einer Psychose vorliegt.

 

Aufgrund von wissenschaftlichen Studien wird von einem neurobiologischen Entstehungsmodell der Schizophrenie ausgegangen. Dies meint, dass die Ursachen dieser Erkrankung im Gehirn zu finden sind. Die Erkrankung hat ihren Ursprung vermutlich bereits in der Embryonalzeit wo das Zusammentreffen verschiedener Risikofaktoren wie Anfälligkeitsgene (Suszibilitätsgene), Fehlbildungen von Nervenzellen im Gehirn (Migrationsstörungen) und Stress vor oder während der Geburt eine Verwundbarkeit des Gehirns bedingen. Die Interaktion von biopsychosozialen Einflussfaktoren mit Stress, der in der Jugend oder im Erwachsenenalter auftritt, liegt die Schwelle eine psychotische Störung zu entwickeln tiefer.

 

Das ZInEP Früherkennungsprojekt bietet eine gründliche medizinische und psychologische Abklärung auf dem neusten Stand der wissenschaflichen Forschung. Dabei werden sogenannte klinische Zeichen oder Indikatoren für die erhöhte Empfindlichkeit (Vulnerabilität) für das Risiko einer schizophrenen oder bipolaren Erkrankung untersucht und in die Diagnostik einbezogen. Dies sind u.a. neuropsychologische Indikatoren (z.B. kognitive Funktionsstörungen), neurophysiologische Auffälligkeiten der Informationsverarbeitung wahrgenommener Reize (evozierte Potentiale), soziophysiologische Veränderungen (z.B. der Empathiefähigkeit) und neuroanatomische Veränderungen im Gehirn.

 

Einige dieser Empfindlichkeiten werden als stabile Traits, also zustandsunabhängig diskutiert. Daher werden auch die genetische Komponente und mögliche familiäre Vorbelastungen mit psychotischen und bipolaren Störungen mit untersucht. Nebst der Früherkennung bietet das Programm eine ausführliche Beratung für Betroffene und Angehörige. Eine frühzeitige psychologische oder medikamentöse Behandlung der unterschwelligen Symptome könnte zu einer entscheidenden Verbesserung des Krankheitsverlaufs beitragen. Wissenschaftliche Studien belegen, dass bei einer Frühbehandlung die Übergangsrate in schizophrene Psychosen oder bipolare Störungen signifikant niedriger ausfällt. Ausserdem können die Symptome vermindert und eine Verbesserung des sozialen Funktionsniveaus kann erreicht werden.

 

Das Forschungsprojekt wird von einer Stiftung unterstützt und wird an der Psychiatrischen Universitätsklinik Zürich, im Sanatorium Kilchberg, am Zentrum für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und der Intergrierten Psychiatrie Winterthur in Zusammenarbeit mit der Universität Zürich durchgeführt.

Für Früherkennungsfragen oder Untersuchungen zur Abklärung, ob ein erhöhtes Risiko vorliegt, können Sie gerne weiterhin mit uns Kontakt aufnehmen. Die Abklärungen erfolgen in unseren klinischen Spezialsprechstunden und werden in der Regel von der Krankenversicherung übernommen. Leider können wir keine neuen Personen mehr in die Studie einbeziehen. Bitte beachten Sie, dass die Untersuchungen daher nicht mehr kostenlos angeboten werden können.