Elemente integrierter Versorgung: Poststationäre Netzwerkkoordination

Die psychiatrische Versorgung der meisten westlichen Länder ist nach wie vor in einem Umwandlungsprozess. Viele Klinikbetten werden zugunsten teilstationärer oder ambulanter Behandlungen aufgegeben und die Aufenthaltsdauer wird immer kürzer. Zunehmend kürzere stationäre Verweildauern verlangen aber dringend nach einer strukturierten und vorbereiteten Entlassungsplanung. Die erste Woche nach einer psychiatrischen stationären Behandlung bedeutet für die PatientInnen eine Phase grossen Stresses. Studien haben aufgezeigt, dass vor allem nach kürzeren Aufenthalten sich das Suizidrisiko nach Austritt vervielfacht, ein erhöhtes Risiko einer Rehospitalisation besteht und ohne entsprechende begleitende Angebote viele der Patienten nicht zum ersten vereinbarten ambulanten Behandlungstermin erscheinen.

 

Schweizweit gibt es für PatientInnen mit hoher Inanspruchnahme inzwischen verschiedene Projekte, die auf verbesserte ambulante Betreuung und damit auf die Rückfallprävention fokussieren. Für PatientInnen mit weniger ausgeprägter Inanspruchnahme wird aber vergleichsweise wenig im Bereich der Austrittskoordination und der Behandlungskontinuität von stationärem zu ambulantem Setting geforscht. In Lausanne wird zurzeit in einem Pilotprojekt ein „case management de transition“ untersucht. Die Intervention spezialisiert sich auf PatientInnen, für die nach der stationären Behandlung keine ambulante psychiatrische Betreuung sichergestellt ist. Die Resultate der randomisierten Studie sind zurzeit noch nicht publiziert. In der deutschen Schweiz ist bisher kein vergleichbares Projekt lanciert.

 

Das vorliegende ZInEP-Teilprojekt will diese Lücke schliessen. Anhand einer randomisierten, prospektiven Studie soll die Wirksamkeit einer sozialarbeiterischen Austrittskoordination bei PatientInnen mit weniger ausgeprägten Inanspruchnahme nachgewiesen werden. Als primäres Outcome-Kriterium werden die Anzahl Pflegetage und als sekundäre Kriterien die Reduktion der Symptombelastung und eine Verbesserung der Lebensqualität und der Selbstständigkeit gemessen.

 

Auf allen fünf Akutstationen der Integrierten Psychiatrie Winterthur – Zürcher Unterland sollen über einen Zeitraum von 18 Monaten insgesamt 160 PatientInnen rekrutiert werden. Geeignete StudienteilnehmerInnen werden bei Stationseintritt über das Projekt mündlich und schriftlich informiert. Nach schriftlicher Einwilligung werden sie der Behandlungs- oder der Kontrollgruppe zugelost. Die Kontrollgruppe erhält die normale sozialarbeiterische Betreuung, welche in der Regel bei Klinikaustritt beendet wird. PatientInnen der Behandlungsgruppe werden über den stationären Austritt hinaus intensiv von dem zugewiesenen Sozialarbeiter betreut, um die Kontinuität ihrer psychiatrischen Betreuung auch im ambulanten Setting sicherzustellen.

 

Um die Wirkfaktoren zu messen werden bei Einschluss in die Studie eine Ersterhebung anhand eines Interviews vor dem ersten Termin mit dem Sozialarbeiter (Baseline t0) sowie Nacherhebungen bei Austritt (t1) und nach 1(t2), 3(t3), 6(t4) und 12(t5) Monaten durchgeführt. Für jedes Interview erhält der Studieneilnehmer CHF 50.

 

Die Rekrutierung beginnt im Juni 2011.